Fair Fashion – Warum auch deine Kleidung Klima macht

Die Mode- und Textilindustrie ist eine der größten Industrien auf der Welt – und nach dem Ölsektor ist sie die zweit verschmutzende. Weltweit werden im Jahr rund 80 Milliarden Kleidungsstücke produziert. Nur etwa 2% davon unter fairen Bedingungen.

In diesem Artikel erfährst du, warum unser Kaufverhalten in Sachen Mode so wichtig ist und ob Fair Fashion die Lösung ist.

Die Entwicklung der Modeindustrie

Die Modeindustrie ist ein riesiger Umweltverschmutzer, bei der Herstellung werden oft gesundheits- und umweltgefährdende Chemikalien eingesetzt, giftige Abwasser werden als Abfall aus der Textilindustrie in Flüsse gespült. Auch faire Arbeitsbedingungen sind leider alles andere als selbstverständlich.

Während Leute in der westlichen Welt also sehr oft wie selbstverständlich auf Shopping-Touren gehen um Kleidungsschnäppchen zu ergattern, hat die Produktion in den Ländern, in welchen die Kleidung hergestellt wird, Konsequenzen für Menschen sowie die Umwelt.

Die Ignoranz von Menschenrechten 

Wie man in der Dokumentation “The true Cost” erfährt sind bei der Produktion unserer Kleidung Leute über die ganze Welt verteilt involviert. Das beginnt bei den Baumwoll-Farmern, die ihre Baumwolle bereits im Anbau mit Chemikalien behandeln müssen und wettbewerbsfähig zu bleiben und findet bei den Arbeitern in Textilfabriken in Ländern wie Pakistan oder Bangladesch den Höhepunkt, die oft zu Arbeitsbedingungen arbeiten müssen, die jegliche Menschenrechte völlig ignorieren

Von einem T-Shirts Preis von 29,99 € kommen am Ende nur rund 15 Cent bei den Arbeitern in den Textilfabriken an, die dennoch unbezahlte Überstunden leisten müssen und keine festen Verträge bekommen. Für das Marketing wird fast das doppelte eingesetzt wie für die Herstellung. 

Egal wieviel das Shirt kostet, mehr als die Hälfte des Preises bleibt beim Einzelhändler, große Teile gehen auch an die Leiter der Produktion sowie die Steuerbehörden in den produzierenden Ländern, ebenso wird ein Teil für Transportkosten und Material benötigt.

Die Problematik des Überkonsums 

Die sogenannte Fast Fashion hat unsere Kleidung von einer Notwendigkeit zu einem Wegwerfprodukt gemacht, wo es für den Konsumenten attraktiver und günstiger ist, ein Kleidungsstück neu zu kaufen, als es reparieren zu lassen. 

Jeder Kassenzettel ist auch auch gleichzeitig ein Stimmzettel. Fast Fashion wird nur durch niedrige Löhne in den Produktionsländern oder dem Verwenden von Chemikalien in den Textilien möglich gemacht. All das unterstützen wir mit einem Kauf. 

Früher gab es im Jahr zwei Kollektionen, bei großen Modehäusern gibt es diese inzwischen fast wöchentlich, man kommt mit dem konsumieren fast nicht hinterher. Durch cleveres Marketing wird man so zum Konsum erzogen, am wichtigsten sind dabei Marke und Preis, die Produktionsbedingungen spielen bei der Kaufentscheidung oft noch eine untergeordnete Rolle

Etwa 40% der Kleidung in unseren Schränken wird nie getragen. Kleidung neu zu kaufen ist günstiger, als sie zu reparieren. Allein in Europa werden jährlich rund 5,8 Millionen Tonnen Kleidung weggeworfen. Davon landen 75% auf Müllkippen oder werden verbrannt – das entspricht einer Wagenladung pro Minute. Der große Teil des Textilmülls ist nicht biologisch abbaubar, er liegt für die nächsten 200 Jahre auf den Mülldeponien und stößt dabei Schadstoffe in die Luft aus.

Ein unmoralischer Kreislauf 

Der größte Teil der Modeproduktion findet in den Herstellungsländern statt, trotzdem werden mehr als 70% des Umsatzes in den Verkaufsländern abgeschöpft. 

Da die Arbeiter in den Textilfabriken nicht von den großen Modefirmen direkt angestellt sind und diesen die Fabriken nicht gehören, bleiben sie somit außerhalb der Verantwortung und können einfach den Gewinn daraus ziehen, dass sie so günstig produzieren können. Die Textilfabriken sind dazu gezwungen, zu den günstigen Konditionen zu produzieren, da die Modemarken die Aufträge sonst an andere vergeben würden. 

Es gibt zwar freiwillige Verhaltenskodexe, die beispielsweise besagen, dass Mindestlöhne eingehalten werden müssen, keine Kinderarbeit vollzogen wird oder es keine übertriebene Überstunden gibt. Allerdings von den Fabriken auf der anderen Seite auch erwartet, dass große Mengen Kleidungsstücke in kürzester Zeit und günstig produziert werden. 

Bei Fast Fashion werden außerdem Ressourcen verschwendet, für die Herstellung eines herkömmlichen Baumwoll-Shirts benötigt es etwa 2.495 Lister Wasser – sie macht bis zu 10% der weltweiten CO2 Emissionen aus.

Grün ist das neue Schwarz

Zum Glück gibt es bei der Mode inzwischen eine Tendenz hin zur langsamen und ethischen Mode, was auch Slow Fashion genannt wird. Hier gibt es inzwischen viele tolle Modelabels, die die Dinge anders machen. Slow Fashion beschreibt auch den Wandel hin zu mehr Verantwortung, mehr Respekt für unsere Umwelt und die Menschen die unsere Kleidung produzieren, sowie mehr Bewusstsein für den eigenen Konsum und die Langlebigkeit von Kleidung.  

Öko Mode hat immer noch mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. Etwa, dass sie zu teuer wäre. Was zumindest im Vergleich mit Fast Fashion Marken im mittleren Preissegment nicht stimmt. Natürlich kann der Preis für ein fair produziertes Shirt nicht mit den 5€, für die man es bei manchen Fast Fashion Anbietern bekommt, vergleichen. Aber das ist ja klar, schließlich wird das faire Shirt auch unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt. 

Hilfreich ist es, an die Kosten-Nutzen-Rechnung zu denken. Also den Preis der Stücke durch die Male teilen, die man das Teil dann auch trägt. Schon sind die Preise für faire ökologische Kleidung gar nicht mehr so hoch. Je länger ein Stück genutzt wird, desto besser ist es auch für die Umwelt. 

Ohne dass wir unseren Konsum zurücknehmen, kann keine Lösung erreicht werden. Man muss als Kunde verstehen, dass man selbst Teil des Problems ist. Wenn wir weniger kaufen und nachhaltiger Leben, wird auch weniger produziert.

Mehr Qualität, weniger Quantität 

“Wer billig kauft, kauft zweimal” – eine Weisheit die sich nicht nur für den Preis anwenden lässt, sondern eben auch im Sinne geringerer Qualität, die Fast Fashion zur Wegwerfmode macht. Teuer ist sie hingegen weil sie der Umwelt und den Arbeitern schadet

Um einen nachhaltigeren Kleidungsschrank zu haben, macht es Sinn sich auf Basics zu besinnen: welche Teile braucht man wirklich, kann man sie miteinander kombinieren und worin fühlt man sich wohl. 

Um sicher zu sein, dass es sich um Fair Trade Kleidung handelt und diese frei von Schadstoffen ist kann es sich lohnen, auf bestimmte Siegel zu achten. Zuverlässige Siegel sind etwa das GOTS-Siegel oder die Label von IVN oder Fairtrade

Und inzwischen ist nachhaltige und Bio Mode längst nicht mehr so unmodisch, wie es ihr lange Zeit nachgesagt wurde. Es gibt inzwischen sogar viele tolle Modelabels, bei denen man nachhaltige Mode aus fairer Produktion findet.

Fair Fashion Labels

Hier einige unserer Lieblingsmodelabels, die auf eine nachhaltige und faire Produktion sowie Textilien achten: 

Armedangels: Vorreiter in der Fair Fashion Welt aus Köln mit umfassendem Angebot

People Tree: britisches Label das einen positiven Wandel in der Modeindustrie herbeiführen möchte 

Two Thirds: portugiesisches Label, das auf Vorbestellungen produziert 

Jan’n June: ein Hamburger Label, das inzwischen neben den Teilen für Frauen auch eine Männerkollektion anbietet

erlich textil: nachhaltige Basics und Unterwäsche 

Dedicated: nachhaltige Streetwear aus Augsburg

Hessnatur: Fair Fashion Basics für die ganze Familie 

Madekind: bunte Fair Trade Kleidung mit handgefertigten Teilen 

The Slow Label: qualitativ hochwertige und langlebige Basics 

Dariadeh: zeitlose, hochwertige und nachhaltige Mode

Manda Laden: europäische Produktion und nachhaltige Materialien 

Coco Malou: feminine Unterwäsche aus umweltfreundlichen und veganen Materialien 

Funktion Schnitt: Basics mit langer Lebensdauer aus Köln, in Portugal gefertigt 

Mandala Yoga Wear: nachhaltige Yoga- und Sportmode

Pura clothing: Bademode aus recycleten Fischernetzen

 

Auch wenn Fair Trade Mode eine tolle Entwicklung ist bleibt das nachhaltigste Kleidungsstück dennoch immer noch das, was gar nicht erst produziert wird.

Da es zahlreiche Teile gibt, die wieder aussortiert werden, kann man Second Hand als weitere gute Möglichkeit nutzen, um einer Überproduktion neuer Teile entgegenzuwirken.

 

Homepages für weitere Infos:

Fair Fashion Guide

Saubere Kleidung

 

Dokumentationen: 

The True Cost 

Unfaire Mode – der hohe Preis für unsere Kleidung

Mode schlägt Moral – wie fair ist unsere Kleidung? 

 

 

Wie sieht es bei dir aus? Achtest du beim Kauf deiner Kleidung auf faire Arbeitsbedingungen und Siegel? Schreib es uns in die Kommentare

 

 

 

 

 

 

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